Was geht mich das an?
Erinnerung: Über die Geschichte stolpern.
Vor der Central Apotheke am Marienplatz 31 (ehemals Adolf-Hitler-Platz 1) sind ins Straßenpflaster die beiden Gedenksteine für Friedrich Landauer und seine Frau Betty Landauer eingelassen. Landauer hatte in Ravensburg ein Geschäft für Wäsche, Kurzwaren, Hüte, Pelze und Spielsachen betrieben. Als jüdische Bewohner hatten sie früh Ausgrenzung und Entrechtung erfahren. Ihr Geschäft wurde 1935 „arisiert“. 1942 wurden die beiden zunächst nach Theresienstadt und dann weiter ins Ghetto Riga deportiert, wo sie ermordet wurden.
Von der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann stammt der Satz: „Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft.“ Am Montag, 19.01.2026, besuchte die Klasse TG10/1 gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer Herrn Scharer die Stolpersteine auf dem Marienplatz. Die Gewerbliche Schule hat die Patenschaft für den Stein von Friedrich Landauer übernommen. Der Stein wurde gesäubert und poliert.

Die Ideologie der Nationalsozialisten hat ihre Spuren in Ravensburg hinterlassen. Davon zeugen nicht nur die Stolpersteine, sondern auch weitere Gedenkorte. Die Tafel am ehemaligen städtischen Krankenhaus (Heilig-Geist-Spital) in der Bachstraße erinnert an die 602 in diesem Krankenhaus zwangssterilisierten Menschen. Ein kleiner Rundgang führte die Gruppe auch vorbei am Mahnmal für jene 35 Männer, Frauen und Kinder, die – zuvor schikaniert und im Ummenwinkel ghettoisiert – im März 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurden. Dort wurden 29 der Ravensburger Sinti aus rassischen Gründen ermordet.
Die Klasse TG10/1 fuhr im Anschluss mit dem Bus der Linie 3 an den Torplatz nach Weißenau, um am ZfP eine Seminarveranstaltung zum Thema „Psychiatrie in der Zeit des Nationalsozialismus“ zu besuchen. Genau in die entgegengesetzte Richtung waren 1940/41 die grauen Transportbusse gerollt. In ihnen befanden sich behinderte und psychisch kranke Menschen, die aus der Heilanstalt Weißenau in die „T4“-Anstalten Grafeneck und Hadamar gebracht wurden, wo die als „lebensunwert“ eingestuften Patienten vergast wurden. Mitten durch die Innenstadt hatte man sie gefahren – und keiner mag von all dem Leid, von all dem Schmerz später etwas gewusst haben?
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